Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
Berichte aus dem Nürnberger Land

Zurück | Gesamtübersicht Berichte | Berichte 2002: Chronologisch Thematisch Einsatzberichte

 

Katastrophenschutzübung - Notfallstation Bayern 12.11.2002

NÜRNBERG / NÜRNBERGER LAND - Am Samstag, 9. November 2002 fand von 8:00 Uhr bis 14:00 Uhr im Berufsschulzentrum am Berliner Platz in Nürnberg eine Katastrophenschutzübung der Notfallstation Nr. 6 statt.

In Bayern wurden für die Bewältigung von Katastrophen in Kernkraftwerken insgesamt 12 sogenannte Notfallstationen eingerichtet. Diese sollen nach Kernkraftwerksunfällen die strahlenexponierte Bevölkerung registrieren, auf Kontamination hin überprüfen, ggf. dekontaminieren, falls nötig, medizinisch Erstversorgen und einer weiteren Behandlung zuführen.

Die Notfallstation Nr. 6 unter der Führung der BF Nürnberg ist dabei für allgemeine Katastrophenlagen im ABC-Bereich im Großraum Nürnberg zuständig und als zentrale bayernweite Reserve vorgesehen.

In der von der Feuerwehr Nürnberg (Sachgebiet Katastrophenschutz) organisierten Übung wirkten ca. 160 ehrenamtliche Helfer folgender Organisationen mit:

  • Berufsfeuerwehr Nürnberg
  • Sondereinsatzgruppe "Umweltschutz" der Feuerwehr Nürnberg
  • Die ABC-Einheiten der Stadt Fürth und des Landkreises Nürnberger Land.
  • Sanitätseinheit des BRK Nürnberg
  • Notfallseelsorger
  • Diverse Ärzte und Vertreter von Fachbehörden

Aus dem Landkreis Nürnberger Land waren die Katastrophenschutzeinheiten der Feuerwehren aus Altdorf, Hersbruck und Schwarzenbruck dabei.

Als Gäste waren Beobachter der Regierung von Mittelfranken, sowie Fachkräfte anderer Berufsfeuerwehren und Kreisverwaltungsbehörden vor Ort.

Als Schadenszenario wurde angenommen, dass es zu einem Störfall in einem Kernkraftwerk kam. Die Spezialkräfte führten Messaufgaben durch und versorgten fachgerecht die kontaminierten Personen.

Für den Ablauf der Notfallstation wurde ein verbessertes Konzept entwickelt, das mit dieser Übung zum zweiten Male getestet wurde. Die in der letzten Übung erkannten Mängel wurden im geänderten Konzept abgestellt.

Die Notfallstation ist insgesamt in 18 Unterstationen unterteilt.

Vor der Ankunft der ersten "Verletzten" wurde die 18 Unterstationen aufgebaut.

Die Ausrüstung ist für jede Unterstation separat in Kisten verpackt.

Der Leiter der Berufsfeuerwehr Nürnberg, Herr Bumiller (links) begrüßte die Beobachter und Pressevertreter und betonte, dass die Einführung der Notfallstationen schon seit längerer Zeit geplant wurde und keine Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September in den USA darstellt. Die Akzeptanz der Stationen sei seitdem aber gestiegen.

 

 

 

 

 

Station 1: Verkehrsführung

Ankunft der "Verletzten". Die Einsatzkräfte sind bis zur Feststellung, dass keine Kontamination vorliegt, durch Schutzanzüge und Mundschutz geschützt.

Zur Betreuung steht bereits hier ein Notfallseelsorger zur Verfügung.

Die Verletzten erhielten ein Merkblatt mit Informationen über das Schadensereignis und der Ablauf in der Notfallstation.

Die Einsatzkräfte mussten sich hier ständig auf neue Situationen einstellen. So trafen hier verletzte und unversletzte Personen ein, Kinder mit Haustieren, ausländische Personen mit Verständigungsproblemen und auch kollabierende Menschen.

Station 2: Kontaminationsvorprüfstelle

Hier werden alle Personen in einem Kurztest (ca. 1/2 Minute) auf Kontamination überprüft.

Wird eine Kontamination festgestellt, erhält die Person eine rote Umhängemarke.

Nichtkontaminierte Personen erhalten eine weiße Umhängemarke.

 

 

 

 

 

Station 3: Erste-Hilfe-Station

Körperlich verletzte Personen werden hier ärztlich versorgt, gesichtet und registriert .

Ist ein Transport ins Krankenhaus erforderlich, werden die Patienten an dieser Station vor dem Transport einem ausführlichen Kontaminationsnachweis unterzogen.

Mit dem Kontaminationsnachweisgerät werden Kopf, Hände und Füße überprüft.

Station 4 Wartezone

- leider kein Bild vorhanden -

Station 5 Kontaminations-Nachweisstelle

Hier wird eine intensive (vierminütige) Kontaminationskontrolle durchgeführt.

Wird keine Kontamination festgestellt, wird die Person über den Kurierdienst an die Station 14 weitergeleitet.

Station 6: Wertmarken

Kontaminierte Personen erhalten hier einen Satz Wertmarken, da sie an den folgenden Stationen ihre Wertsachen und später auch ihre Kleidung abgeben müssen.

Station 7: Wertsachenabgabe

Hier erfolgt die Wertsachenabgabe. Die Zuordnung zum Eigentümer ist durch die Wertmarke gesichert. Eine der Neuerung im Konzept ist die Wertsachenmessung. Kontaminierte Wertsachen werden einer Grobreinigung unterzogen.

Alle Wertsachen werden mit dem Kurierdienst in Station 7c zur Station 13a - Wertsachenausgabe transportiert.

In Station 7 waren die Kräfte der FF Altdorf eingesetzt.

Station 8 - Bekleidungsabgabe

Diese Station war nach Geschlechtern getrennt, zweifach aufgebaut.

Hier entkleiden sich die kontaminierten Personen.

Die Kleidung wird in Kunststoffsäcke verpackt und im Ernstfall vernichtet.

In dieser Station war auch die FF Schwarzenbruck eingesetzt.

 

 

 

 

Station 9 - Warteraumraum vor Dusche

Auch diese Station war nach Geschlechtern getrennt, zweifach aufgebaut.

In diesem gut beheizten Raum warteten die verletzten Patienten auf die Abpflasterung bzw. die unverletzten auf die Dusche.

 

 

 

 

 

 

Station 10 - Abpflasterungsraum

Hautwunden werden in dieser Station von Kräften der Sanitätseinheiten wasserdicht abgedeckt.

 

 

 

 

 

 

 

Station 11: Dusche

In Station 11 + 12 waren die Kräfte der FF Schwarzenbruck eingesetzt. In Station 11 galt es beim Duschen darauf zu achten, dass in einer vorgegebenen Zeit von max. 6 Minuten der Körper von oben nach unten dreimal gereinigt wurde.

Station 12: Nachkontrolle

Nach der Dusche wurde mit dem Kontaminationsnachweisgerät überprüft, ob noch Strahlung vorhanden war.

Bei Kontamination ging es zurück in die Dusche.

 

 

 

 

 

 

Station 13: Bekleidungsausgabe und Wertsachenrückgabe

Wurde in Station 12 keine Kontamination festgestellt, bekamen die Personen hier ihre Bekleidung zurück.

Im Ernstfall erhalten sie hier neue Bekleidung.

 

 

 

 

 

 

 

Station 13 war räumlich zweigeteilt. Im zweiten Teil bekamen die Personen ihre von Station 7 weitergeleiteten Wertsachen zurück.

 

 

 

 

 

 

 

Station 14 - Warteraum zur Erfassung

In Station 14 warten die dekontaminierten Patienten auf die Erfassung und Beurteilung.

Die Einsatzkräfte stellen hier die Ordnung sicher.

Station 15 - Erfassung/Beurteilung

Station 15 hat eine besonders wichtige Funktion.

Die Personen werden hier nach ihrem genauen Aufenthaltsraum zum Zeitpunkt des Schadensereignisses befragt.

Aus diesen Angaben wird unter Zuhilfenahme von Rechenformeln die aufgenommene Dosis ermittelt.

Station 16: Strahlenschutzärztliche Beurteilung

Die Personen werden hier von Ärzten mit Strahlenschutzkenntnissen im Hinblick der in Station 15 ermittelten Dosis untersucht.

Station 17: Verteilung

Diese Station koordiniert die Verteilung aller aus Station 16 kommender Personen. Insbesondere organisiert sie den Transport ins Krankenhaus bei entsprechend beurteilten Personen.


Station 18: Information/Aufenthaltsregelung

Die Aufgabe dieser Station liegt in der Beratung der die Notfallstation verlassenden Personen und die Zuweisung etwaiger Evakuierungsplätze.

Leitung der Notfallstation

Die Kommunikation der Notfallstation wurde durch den ELW 3 der BF Nürnberg abgewickelt.

Seelsorgerische Betreuung

Sowohl im unreinen als auch im reinen Bereich der Notfallstation standen jeweils vier Notfallseelsorger zur Betreuung der Personen zu Verfügung.

Besonders in den Staubereichen wird die Notwendigkeit der beruhigenden Betreuung erwartet.

Zusätzlich ist ein Notfallseelsorger Mitglied der Einsatzleitung.

 

 

 

 

 

Verpflegung

Für die Verpflegung der Betroffenen und der Einsatzkräfte sorgte diesmal das BRK

Abschlussbesprechung

Hans-Peter Reißmann von der BF Nürnberg bewertete den Ablauf der Übung insgesamt als gut und bedankte sich bei allen Teilnehmern, insbesondere den Kindern unter den Verletztendarstellern, da diese besonders realistisch mitwirkten.

Die Beobachter der Übung, so Reißmann, waren mit dem Ablauf sehr zufrieden und stellten im ersten Blick keine wesentlichen Mängel fest.

 

 

 

 

Bericht: Ulli Timm, FF Schwarzenbruck

Zurück | Gesamtübersicht Berichte | Berichte 2002: Chronologisch Thematisch Einsatzberichte

Copyright © 2002 by Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
Created by Michael Brunner, Bernd Haslinger, Florian Krüger