Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
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Katastrophenschutzübung zu WM 2006 in Nürnberg abgehalten 17.11.2005

NÜRNBERG/NÜRNBERGER LAND - Am vergangenen Samstag, 12.11.2005 haben sich rund 1350 Einsatz- und Rettungskräfte aus ganz Bayern zu einer der größten Katastrophenschutzübungen der vergangen Jahre, mit mehreren gestellten Einsatz- und Unglücksszenarien im Bereich der neuen Messe und dem Zeppelinfeld in Nürnberg eingestellt. Die Feuerwehren des Lkr. Nürnberger Land waren im Rahmen des Katastrophenschutz-Einsatzes mit der Dekontamination von Zivilpersonen beschäftigt.

Die Stadt Nürnberg probte bei dieser offiziellen Übung zur WM 2006, unter dem Titel „Anstoß 2006“, das Zusammenwirken von mehreren Fachdiensten in Führungsstäben (BF, FF, BRK, div. San-Dienste, Bundeswehr, Wasserwacht, usw.) und den Umgang mit möglichen Einsatzabläufen während der WM 2006. Zu den Besuchern und Zuschauern gehörten neben Bayern Innenminister Dr. Günther Beckstein und dem Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg, Dr. Ulrich Maly, auch Vertreter der Feuerwehrschulen Geretsried, Regensburg und Würzburg, der umliegenden Kreisverwaltungsbehörden und kreisfreien Städte, Vertreter der Regierungen und der Landeshauptstadt München, sowie unzählige neugierige Passanten. Die Kollegen der SFS Geretsried übernahmen zugleich die Übungsleitung und bewerteten anschließend die Arbeit der Einsatzkräfte in Nürnberg als durchweg positiv: „Die Übung sei übersichtlich, kontrolliert und gut organisiert abgelaufen“, so die Bilanz.

Auch Feuerwehren des Lkr. Nürnberger Land waren an der Übung beteiligt und kamen im Zuge der „Alarmierung der Notfallstation Nr. 6“ als „Schwesterneinheit“ zur Unterstützung der Katastrophenschutzeinheiten und zum Aufbau einer Dekon-Station nach Nürnberg. Die Führung übernahm KBI Peter Schlerf, der in der Einsatzleitung und als Beobachter eingebunden wurde. Die Abschnittsleitung der Station übernahm KBM Lothar Miederer aus Schwarzenbruck.
Zu dem geplanten Einsatz wurden bereits im Vorfeld gemeinsame Besprechungen in Altdorf und Hersbruck durchgeführt, wobei die Ausrüstung und die Arbeitsaufteilung zwischen den drei Wehren abgestimmt werden konnte. Einziger Wehrmutstopfen war die größtenteils fehlende Ausrüstung, die mit viel Geschick und Improvisationsvermögen der Beteiligten ersetzt werden konnte. Letztlich besteht aber dennoch der Bedarf nach zusätzlicher Ausstattung der Wehren, wobei nach Aussage von KBR Bernd Pawelke noch keine Bereitstellung von Geldern seitens des Bundes oder der Regierungen zugesagt werden konnte.

 

Übungsablauf:

An fünf unterschiedlichen „Brennpunkten“ wurden die Einsatzkräfte eingesetzt und die Ret-tungsmaßnahmen praktisch bearbeitet. 75 Personen koordinierten im Hintergrund den Ablauf der Katastrophenschutzübung. In Nähe des Stadions wurde zum Beispiel ein Busunfall mit einem Gefahrguttransporter simuliert. 160 Personen waren in den Unfall verwickelt und gerieten mit einem Gefahrstoff in Kontakt. Es kam dabei zu einem so genannten „Massenanfall von Verletzten“. Szenario 2: Eine weitere „Lage“ war ein Brand in einer Jugendherberge (Objekt auf dem MAN-Gelände), bei dem Kräfte von MAN-Werksfeuerwehr und Freiwilliger Feuerwehr sowie von Sanitäts- und Betreuungsdienst Hand in Hand arbeiteten. Zudem wurde durch die Polizeihubschrauberstaffel Roth und die Höhenrettungsgruppe der Berufsfeuerwehr das beüben zur Bergung eines verunglückten Arbeiters auf einem Flutlichtmast des Stadions vorgenommen. Auch durchgeführt wurde der mögliche Einsturz einer Großbildleinwand, wobei THW, Freiwillige Feuerwehren sowie Sanitäts- und Betreuungsdienste zusammen arbeiteten. Im Stadion wurde mit den Mitteln der ABC-Erkundung der Feuerwehren außerdem das Messen, Aufspüren und die Probeentnahme einer unbekannten Substanz geübt. Das Chemische Untersuchungsamt der Stadt Nürnberg führte eine Schnellanalyse durch. Zum Einsatz kam dabei auch ein neu entwickeltes Biomessgerät der Firma Diehl.

Die Feuerwehren Altdorf, Hersbruck und Schwarzenbruck waren mit insgesamt 22 Kameraden bei der Dekontamination und der Nachweisstelle innerhalb der neuen Messen Nürnberg eingesetzt, wobei mit etwa 50 „Kontaminierten“ gerechnet wurde. Treffpunkt war die Regensburger Straße in Nürnberg (7.50 Uhr). Danach fuhren die Kräfte zum Stadion und wurden eingewiesen. Gegen 8.30 Uhr begann der Aufbau der Station, wobei mit einem Übungsbeginn um 10.00 Uhr gerechnet wurde. Nach dem Übungsablauf wurden sämtliche Einsatzgeräte und –mittel wieder verladen und die Dekon-Station aufgelassen. Die Rückkehr zu den Stützpunkte erfolgte gegen 15.00 Uhr.

Die FF Altdorf übernahm in der Station die Wertsachen- und Kleidungsabgabe, sowie die Weiterleitung innerhalb des abgesperrten Bereiches, die FF Schwarzenbruck unterstützte bei der Dekontamination (Duschen, Reinigen) und Behandlung kleinerer Verletzungen und die FF Hersbruck führte die Nachweiskontrolle, Sichtprüfung und Ausgabe von Ersatzkleidung, Wertgegenstände usw. durch. Die eingesetzten Kräfte waren ausnahmslos mit Schutzkleidung (leichter CSA mit Vollmaske und Gummihandschuhen) versehen, wobei die neben dem Zelt eingesetzten Kameraden mit einem leichteren Schutz (P3 – Filter, Gummihandschuhe) auskommen mussten. Das oftmals beübte Szenario eines A-Einsatzes wurde in Nürnberg durch einen C-Stoff ersetzt. Somit konnte kein Nachweis auf Radioaktivität durchgeführt werden und man beschränkte sich auf die Dekontamination, Befragung nach Verletzungen, Hautirritationen, usw.

An der Übung in Nürnberg waren insgesamt 1350 Einsatzkräfte und „Opfer“ beteiligt, davon 330 überörtliche Kräfte. Die Einsatzkräfte verteilten sich wie folgt: Führungsgruppe Katastrophenschutz 30 Personen, Stab des Örtlichen Einsatzleiters 45 Personen, Feuerwehr Nürnberg (BF und FF) 170 Personen, Werkfeuerwehr MAN 15 Personen, ABC-Dienst der Feuerwehren (Nürnberg, Fürth, Cham, Bad Kissingen, Schweinfurt, Haßberge Erlangen, Herzogenaurach, Nürnberger Land, Ansbach) 100 Personen (80 überörtlich), THW Nürnberg 100 Personen, Bundeswehr 60 Personen, Sanitäts- und Betreuungsdienst 310 Personen (250 überörtlich), Notfallseelsorge 20 Personen, Polizei 200 Personen, Verletztendarsteller (Polizei, THW, Feuerwehr) 220 Personen, Sonstige 50 Personen.

Durchgeführt wurde die Übung auf Grundlage eines „Nationalen Sicherheitskonzepts FIFA WM 2006“ und eines Konzepts des Bayerischen Staatsministeriums des Inneren für die Austragungsorte in Bayern. Die Gesamtübungsleitung übernahm federführend das Land Bayern, vertreten durch die Staatliche Feuerwehrschule Geretsried und Vertreter der an der Übung beteiligten Behörden und Organisationen. Auch die benachbarten Regierungsbezirke waren in die Übung mit einbezogen. Parallel führten auch die Nachbarstädte Fürth und Erlangen Stabsrahmenübungen durch.

Bericht und Fotos: FF Hersbruck

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