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Ammoniakaustritt in Brauerei

17.07.2009

HERSBRUCK (DB1) - Ein kleines Leck mit abtropfendem, tiefgekühlten Ammoniak verursachte am Mittwoch ein Großaufgebot an Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei.

Aufgrund der giftigen Wirkung konnte die Feuerwehr nur in speziellen Chemievollschutzanzügen vorgehen. Ständige Messungen ergaben keine Gefährdung außerhalb des Gebäudes und in der Nachbarschaft.

Gegen 10.40Uhr bemerkte ein Mitarbeiter einen beißend, stechenden Geruch im Gebäude. Die Leistelle Nürnberg alarmierte daraufhin die Feuerwehr Hersbruck. Aufgrund des charakteristischen Geruchs, stellten die Einsatzkräfte vor Ort fest, dass es sich um Ammoniak handelt, was sich durch Messungen des Meßtrupps auch bestätigte. Aufgrund der giftigen Wirkung des Ammoniaks, war ein Vorgehen nur mit Chemieschutzanzügen (CSA), welche den Träger vollständig von der Umluft isolieren, notwendig.

Einsatzleiter Norbert Thiel erkannte, dass zur Einsatzabwicklung weitere Schutzanzüge, Geräteträger und Spezialgerät notwendig ist. Der Gefahrgutzug der Feuerwehr Altdorf wurde alarmiert. Um die Lage abarbeiten zu können wurden Einsatzabschnitte gebildet. Die bei der Feuerwehr Hersbruck angesiedelte UG-ÖEL - Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung - richtete die Einsatzleitung in der Nähe der Einsatzstelle ein und übernahm Aufgaben wie Einsatzdokumentation, Nachforderungen, Funkabwicklung, Kräfteübersicht und das Anfertigen eines Lageplans.

 
     
 

Den unter Vollschutz vorgehenden Trupps bot sich folgende Lage:

Eine im Kühlraum auf etwa 3m Höhe befindliche, isolierte Ammoniakleitung zum Kühlaggregat wies eine Leckage auf. Das auf -70°C gekühlte Ammoniak trat aus der Isolierung der Leitung aus.
Um die Austrittsstelle genauer lokalisieren und dann abdichten zu können wurde unter CSA über eine Steckleiter die Isolierung der Leitung entfernt. Sie wies eine ca. 1 Zoll große Leckage auf.

Spätestens jetzt war klar, dass es sich um eine Lage handelt, die sich nicht in kürzester Zeit abhandeln lässt. Die verantwortlichen Einheitsführer von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst kamen zur ersten Lagesprechung zusammen.

Das weitere Vorgehen wurde besprochen. Nachalarmierungen wurden für weitere Anzüge, Geräteträger und Messtechnik sowie Anforderungen von Transportbehältnissen notwendig. Während des gesamten Einsatzverlauf wurden zu den Feuerwehren Hersbruck und Altdorf noch die Feuerwehren Altensittenbach, Lauf und Reichenschwand sowie ein Transportfahrzeug der Berufsfeuerwehr Nürnberg alarmiert. 

 
     
 

Um den Austritt und seinen Folgen einzudämmen entschied man sich die Leitung abzuquetschen und parallel dazu, die austretenden giftigen Dämpfe kontrolliert abzusaugen und an Wasser zu binden. Vorsichtshalber wurde die Einsatzstelle großräumig abgesperrt und Anwohner aufgefordert Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Wie es sich herausstellte, war das Abquetschen der Leitung aufgrund der Materialbeschaffenheit derselbigen nicht möglich. Um die Leckage abzudichten, auslaufendes Ammoniak in Spezialbehältnisse aufzufangen und umzupumpen waren während des gesamten Einsatzes, der sich bis um ca. 18.30 Uhr hinzog, 12 CSA-Anzüge und 6 CSA-Leichtanzüge im Einsatz. Bezieht man die unter Atemschutz stattfindenden Außenarbeiten mit ein, wurden dafür über 40 Pressluftatmer eingesetzt.

 
     
   

In Abstimmung mit dem Umweltingenieur des Landratsamtes wurde das restliche Ammoniak mit Wasser soweit verdünnt, dass der dadurch entstandene hochverdünnte Salmiakgeist in die Kanalisation geleitet werden konnte. Reste wurden in Zusammenarbeit mit einer Spezialfirma umgepumpt.

Die BRK-Bereitschaft Hersbruck stand in gewohnter Professionalität parat. Die Aufräumarbeiten dauerten noch bis in die späten Abendstunden. Die Atemschutzgerätewarte werden noch Tage mit den Reinigungs- und Prüfarbeiten beschäftigt sein.

Bericht und Fotos: FF Hersbruck

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