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Feuer zerstört Dachstuhl von historischer Schankstätte 29.08.2012

RÖTHENBACH (DB2) - Der Dachstuhl der Gaststätte "Grüner Baum" am Friedrichsplatz hat am Montag, den 27. August 2012 Feuer gefangen. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude aus dem Jahr 1730 wurde dabei trotz des schnellen Einsatzes der Feuerwehr schwer beschädigt.

Um 12.29 Uhr hatte die Leitstelle Nürnberg mit dem Stichwort "Vermutlich Dachstuhlbrand" Alarm für die Freiwillige Feuerwehr Röthenbach und die Kreisbrandinspektion ausgelöst. Mehrere Augenzeugen hatten zuvor eine starke Rauchentwicklung bemerkt und einen Notruf abgesetzt. Zum Zeitpunkt des Alarms stand über der Einsatzstelle bereits eine gut sichtbare Rauchsäule, so dass noch vor dem Ausrücken die Feuerwehren Schwaig, Rückersdorf und Renzenhof zur Unterstützung nachgefordert wurden. Die Nachalarmierung durch die Leitstelle erfolgte um 12.35 Uhr.

 

Als die ersten Einheiten der Röthenbacher Wehr an der Gaststätte ankamen, drang dichter Brandrauch aus den Fenstern im Dachgeschoss und dem gesamten Dachstuhl, der vom Wind zu Boden gedrückt wurde und durch die Straßen zog. Wegen der starken Rauchentwicklung an der Einsatzstelle und der Brandgefahr wurden durch die Polizei nach Rücksprache mit der Feuerwehr mehrere umliegende Gebäude evakuiert. Vereinzelt waren Flammen sichtbar, die aus kleinen Fenstern an den Gebäudeseiten schlugen. Eine erste Erkundung ergab, dass sich das Dachgeschoss bereits in Vollbrand befand und das Feuer auf den Dachstuhl übergriff.

 

Vom Löschfahrzeug LF 16/12 wurde umgehend ein Stoßtrupp mit schwerem Atemschutz zur Personensuche und Brandbekämpfung in das Gebäude geschickt. Glücklicherweise befanden sich keine Bewohner im Haus, so dass sich der Trupp auf die Brandbekämpfung konzentrieren konnte. Parallel zum Innenangriff verlegten die Einsatzkräfte eine Schlauchleitung vom nächstgelegenen Hydranten zum Löschfahrzeug, um den erforderlichen Löschwasserbedarf für den Innen- und Außenangriff sicherstellen zu können.

Von der zeitgleich an der Einsatzstelle eingetroffenen Drehleiter aus Röthenbach wurde unterdessen das Wenderohr für den Außenangriff aufgebaut. Noch vor der Inbetriebnahme des Wenderohrs brannte der Dachstuhl jedoch teilweise durch, so dass punktuell bis zu 2 C-Rohre vom Boden aus vorgenommen wurden. Mit der Aufnahme eines massiven Außenangriffs durch das Wenderohr und weitere Strahlrohre wurde der Innenangriff vorübergehend eingestellt.

 

Nach dem Eintreffen der Freiwilligen Feuerwehr Schwaig wurde dieser gemeinsam mit dem Röthenbacher Tanklöschfahrzeug TLF 16/25 zunächst der rückwärtige und weniger betroffene Teil des Gebäudes zugewiesen, wo es galt eine weitere Brandausbreitung zu verhindern. Die FF Schwaig setzte hierzu neben der Drehleiter mit Wenderohr auch C-Rohre im Außenangriff ein. Im Frontbereich des Gebäudes baute die Besatzung des Löschfahrzeug LF 20/16 aus Schwaig eine zweite Wasserversorgung von einem weiteren Hydranten auf und versorgte das LF 16/12 der Röthenbacher Wehr mit Löschwasser.

Mit dem massiven Löschangriff gelang es den eingesetzten Feuerwehren den Brand unter Kontrolle zu bringen, der Dachstuhl und das Dachgeschoss wurden durch die Flammen und das Löschwasser jedoch weitgehend zerstört. Mit Hilfe der Wärmebildkamera wurden im weiteren Einsatzverlauf immer wieder Glutnester entdeckt, die durch Atemschutztrupps abgelöscht werden mussten. Dazu musste zunächst die Dachhaut mit Hilfe von Einreißhaken über die Drehleiter stellenweise abgerissen werden.  

Bis Einsatzende gegen 18 Uhr waren alleine von der Feuerwehr Röthenbach sieben Trupps (je zwei Mann) mit Atemschutzgeräten eingesetzt, einige davon im Laufe des Einsatzes mehrfach.

Für die Dauer des Löscheinsatzes musste die Hauptstraße in beide Richtungen gesperrt und der Verkehr umgeleitet werden. Nach etwa 2 Stunden konnte der Verkehr in eine Fahrtrichtung wieder freigegeben werden, der Verkehr wurde durch die Polizei und die Feuerwehr geregelt.

 

Die Polizei schätzt den Schaden an dem denkmalgeschützten Gebäude auf rund 150.000 Euro. Wie die Pegnitz-Zeitung nach dem Brand schreibt, hat das Gasthaus "Grüner Baum" seinen Ursprung als "Schankstatt" und geht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Im Jahre 1730 war die Wirtschaft komplett umgebaut und erweitert worden und erhielt ihr heutiges Aussehen. Das Gasthaus war im 19. Jahrhundert ein bekanntes Ausflugslokal, in dem auch Prinzregent Luitpold von Bayern zweimal während seiner Fasanenjagd im Reichswald übernachtete.

Während des Einsatzes wurden die Feuerwehren durch eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Röthenbach mit kalten und heißen Getränken sowie Kuchen versorgt. Das Gebäude liegt unmittelbar neben der Brandstelle und ist den Kameraden gut bekannt. Bis zum Umzug in den Neubau im Gewerbegebiet Mühllach war hier bis 1989 die Feuerwehr Röthenbach beheimatet, bevor die Feuerwehr am 1. Juli 2003 zu einem Wohnungsbrand im ersten Obergeschoss zu der Adresse alarmiert wurde. Die Wohnung brannte damals komplett aus, eine Person erlitt lebensgefährliche Brandverletzungen, denen sie Tage später im Krankenhaus erlag.

 

Bericht: FF Röthenbach, KFV-Online
Fotos:
KFV-Online

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