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Erneuter LKW-Unfall mit radioaktiven Stoffen 20.11.2014

Feucht (DB 3) - Zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage verunfallte ein Speditionslaster mit radioaktivem Material und chemischem Gefahrgut bei Feucht. Einsatzstelle war nun die A9 in Fahrtrichtung München bei km 395,0 zwischen dem AD Feucht und der AS Allersberg.

Da dieses Mal bereits beim ersten Notruf klar war, dass es sich um einen mit radioaktivem Material beladenen LKW handelte, wurden von der ILS Nürnberg am Mittwoch, den 19.11.2014 um 03.53 Uhr mit dem Stichwort „THL Atom“ gemäß Alarmplan die Freiwilligen Feuerwehren Markt Feucht, Schwarzenbruck, Altdorf, Hersbruck und Lauf sowie die Unterstützungsgruppe örtliche Einsatzleitung und das THW Lauf alarmiert. Da kurz vorher ein Notruf über einen Unfall zwischen der AS Allersberg und der AS Hilpoltstein einging, waren Kräfte des Landkreises Roth bereits unterwegs, die dann ebenfalls die neue Einsatzstelle anfuhren, aber nicht mehr tätig werden mussten.
Die ersteintreffenden Feuchter Kräfte erkundeten letztlich einen Sattelschlepper, der aus noch ungeklärter Ursache ins Schlingern kam, gegen die Mittelleitplanke schleuderte und dort mit der Zugmaschine einknickte. Der Fahrer wurde durch den Aufprall aus seinem Führerhaus geschleudert, aber dabei nur leicht verletzt. Ein nachfolgender Kleintransporter versuchte noch auszuweichen, streifte aber trotzdem den Sattelzug. Der Fahrer blieb unverletzt.

Zunächst wurde die Einsatzstelle weiträumig abgesperrt und ein Atemschutztrupp der Feuerwehr Schwarzenbruck mit Messgeräten zum Messen der Strahlung im Bereich der Ladebordwand des LKW vorgeschickt. Gleichzeitig bereitete sich die Feuerwehr Altdorf auf die Inbetriebnahme eines Dekonplatzes vor. Die Feuerwehr Feucht übernahm den umfangreichen Brandschutz und bereitete sich auf die Aufnahme der austretenden Betriebsstoffe vor, die in größerer Menge aus dem leckgeschlagenen Dieseltank ausliefen und sich über alle Fahrspuren und die angrenzende Böschung verteilten.
Da die ersten Messungen negativ blieben, konnte sich der Angriffstrupp um das Auffinden der Ladepapiere kümmern, die durch den Aufprall im Umfeld verstreut waren. Hierbei bestätigte sich die Vermutung, dass der LKW zusätzlich zu einigen Behältern mit radioaktivem Inhalt auch mehrere Paletten mit Kleinmengen unterschiedlichster chemischer Gefahrstoffe geladen hatte.
In einem nächsten Schritt öffnete der Trupp die Ladefläche und begutachtete aus sicherem Abstand das Innere des Sattelzuges. Hierbei zeigte sich, dass die Ladung durch den Aufprall tatsächlich deutlich verschoben war. Leckgeschlagene Gebinde und Pakete konnten aber glücklicherweise nicht festgestellt werden. Auch die Messungen der Radioaktivität blieben weiterhin negativ.

Mittlerweile war auch ein Verantwortlicher der Spedition an der Einsatzstelle eingetroffen, der die negativen Messwerte bestätigte und mit seinem Fachwissen ebenfalls keine Anzeichen für einen Austritt von radioaktivem oder chemischem Gefahrgut erkennen konnte.
Aus diesem Grund konnten die Feuerwehren Lauf und Hersbruck relativ früh wieder aus dem Einsatz herausgelöst werden. Der zurückkehrende Trupp wurde an der Übergabestelle routinemäßig auf radioaktive Kontamination untersucht und freigemessen. Anschließend wurde mit der Eindämmung des ausgetretenen Kraftstoffs und der Bergung des LKW begonnen. Der Bergungsdienst übernahm auch gleichzeitig die Reinigung der Fahrbahn mit einer Spezialkehrmaschine. Aufgrund des immensen Rückstaus und der immer wieder zugefahrenen Rettungsgasse war ein Durchkommen aus Richtung Nürnberg jedoch nur noch schwer möglich. Daher wurden die Bergungsfahrzeuge teilweise unter Polizeibegleitung aus Richtung Allersberg entgegengesetzt zur Fahrtrichtung an die Einsatzstelle gelotst.
Die Bergung des LKW gestaltete sich durch die Deformierung von Auflieger und Zugmaschine schwierig. Letztlich gelang es aber durch Unterstützung von schweren Gerätschaften aus dem Feuchter Rüstwagen, die beiden Gespannteile transportfähig zu machen, so dass der Auflieger unter Begleitung der Feuerwehr Schwarzenbruck auf das Speditionsgelände geschleppt werden konnte.
Die weitere Absicherung der Einsatzstelle und die Aufsicht über die Reinigungsarbeiten übernahm die Autobahnmeisterei Fischbach, so dass die letzten Einsatzkräfte schließlich nach gut fünf Stunden gegen 09.00 Uhr zurückkehren konnten.

Durch die stundenlange Totalsperre der Autobahn im einsetzenden Berufs- und Reiseverkehr kam es zu einem 10 km langen Rückstau, der sich aufgrund von Pannenfahrzeugen erst spät auflöste.

Eingesetzte Kräfte:
KBR Thiel, KBI Schlerf, KBI Herrmann, KBM Lankes, KBM Pölloth, KBM Hübner, KBM Kölbl
FF Markt Feucht mit Kdow, LF 16, LF 20, RW mit Dekonhänger, TLF 4000 mit P250, VLKW mit VSA
FF Schwarzenbruck mit MZF, HLF 20, LF 16, GW-L1
FF Altdorf mit ELW 1, LF 20, GWG, VLKW mit Dekonhänger
FF Hersbruck mit MZF, LF 20, VLKW, WLF mit AB Atemschutz/Strahlenschutz
FF Lauf mit MZF, LF 16, VLKW
UG-ÖEL
THW Lauf
Kreisbrandinspektion Lkr. Roth
FF Allersberg
FF Wendelstein
VPI Feucht mit mehreren Streifen
Rettungsdienst mit mehreren RTW, NEF, UG SanEL, ElRd
Abschleppdienst
Bergungsdienst
Autobahnmeisterei Fischbach

Bericht und Fotos: FF Markt Feucht

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