Berichte

Großbrand in Weigendorf

|   Dienstbezirk 1

Weigendorf (Lkr. Amberg-Sulzbach) - Am Donnerstag den 29. November 2018 brach in einer Montage- und Lagerhalle eines Fenster- und Türenhändlers ein Feuer aus. Eine Explosion schreckte Anwohner und Angestellte des Unternehmens auf. Innerhalb weniger Minuten stand die gesamte Halle in Vollbrand. Das Bürogebäude und die Ausstellungsräume konnten von den Flammen gerettet werden, die Löscharbeiten in der Halle gestalteten sich aufwändig. Ein Landkreis übergreifender Großeinsatz für über 200 Einsatzkräfte. Es entstand ein Schaden von zirka 2 Millionen Euro.

Kurz nach 18.00 Uhr löste die Integrierte Leitstelle Amberg mit dem Alarmstichwort „B4 – Brand Gewerbe“ Alarm für zahlreiche Feuerwehren aus. Über die ILS Nürnberg wurden die Feuerwehren Hartmannshof, Pommelsbrunn und Hersbruck aus dem benachbarten Nürnberger Land alarmiert. Den Einsatzkräften bot sich ein erschreckendes Bild. Die Lagerhalle mit ca. 1400 Quadratmeter Grundfläche stand bereits in Vollbrand. Meterhoch schlugen die Flammen in den dunklen Himmel. Eine enorme Hitze strahlte in alle Richtungen. In einer Entfernung von nur 30 Metern grenzt eine Großschreinerei auf der östlichen Seite an. Auf der Westseite befindet sich ein Wertstoffhof.

Die örtliche Feuerwehr errichtete umgehend eine Riegelstellung zur benachbarten Schreinerei. Die erste eintreffende Führungskraft, der stellvertretende Hartmannshofer Kommandant Stefan Ringer, lies um 18.23 Uhr über die ILS Amberg die Alarmstufe auf B6 erhöhen. Somit wurden aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach neben weiteren TSF und Löschfahrzeugen auch der AB-Sonderlöschmittel, der AB-Atemschutz und der Stadt-/Kreisfeuerwehrarzt Marc Bigalke der Feuerwehr Stadt Amberg nachalarmiert. Aus dem Nürnberger Land rückten zusätzlich die Feuerwehren Guntersrieth, Hohenstadt, Eschenbach und Happurg zur überörtlichen Hilfe aus. Die ersten Kräfte wurden bereits eingewiesen – Ziel war die Rettung des vorderen Bürogebäudes mit Ausstellungsfläche sowie die Riegelstellung zur angrenzenden Schreinerei. Die Feuerwehren Neukirchen, Lehendorf und Etzelwang erstellten eine Wasserentnahme aus dem Etzelbach und begannen mit einem Löschangriff auf der Westseite. Die Feuerehren Weigendorf und Hartmannshof bekämpften das Feuer von Osten. Am Hartmannshofer MTW wurde bereits von Beginn an eine Lagekarte erstellt und die Dokumentation für die Einsatzleitung übernommen. Zur Unterstützung kamen die Kräfte der UG-ÖEL mit dem ELW des Landkreises Amberg-Sulzbach hinzu. Diese übernahmen den Funktisch, die Kommunikation zur Leitstelle und wirkten bei der Erstellung einer Kräfteübersicht mit.

 

Um 18.42Uhr übernahm Kreisbrandinspektor Hans Sperber vor Ort die Einsatzleitung. Unterstützt wurde dieser während des Weiteren Einsatzes durch den örtlichen Kommandanten Fabian Pickel und die Kreisbrandmeister Christian Meyer, Michael Schmidt und Michael Iberer. Der Einsatz unterteilte sich in fünf Abschnitte:

Einsatzabschnitt 1 „Osten“ - Abschnittsleiter Stefan Ringer (FF Hartmannshof)

Einsatzabschnitt 2 „Westen“ - Abschnittsleiter KBI Holger Herrmann (Nürnberger Land)

Einsatzabschnitt 3 „Bürogebäude“ - Abschnittsleiter Thomas Wiesneth (FF Sulzb.-Rosenb.)

Einsatzabschnitt 4 „Atemschutz“ - Abschnittsleiter KBM Roland Weidinger (Nürnberger Land)

Einsatzabschnitt 5 „Verkehr“ mit Abschnittsleiter KBM Thorsten Brunner (FF Hartmannshof)

Parallel arbeitete der Rettungsdienst mit Einsatzleiter Thomas Zwick. Ebenfalls vor Ort waren der Fachberater vom THW und der Energieversorger. Um 18.55Uhr wurden von der Einsatzleitung noch die Feuerwehr Rosenberg mit TLF20/40SL, Atemschutzträgern und Beleuchtungsanhänger angefordert.

Während die weiteren Feuerwehren aus dem Nürnberger Land dem Abschnitt „West“ zugeteilt wurden, erweiterte sich der Einsatzabschnitt „Ost“ um die DLK und das TLF der FF Sulzbach sowie die Feuerwehren Schmidstadt, Kirchenreinbach, Holnstein-Mittelreinbach, Eschenfelden und Kräfte der FF Rosenberg. Im Abschnitt 3 waren mehrere Atemschutztrupps der Feuerwehren Weigendorf, Neukirchen und Sulzbach im Einsatz. Deren Aufgabe war die Sicherung der Brandwand im inneren des Bürogebäudes sowie die Entrauchung des Verkaufsraumes. Im Einsatzabschnitt 4 sammelten sich die Atemschutzgeräteträger zentral am Hersbrucker VLKW und dem AB-Atemschutz aus Amberg. Aus diesem kamen neben den zahlreichen Atemschutzgeräten der Feuerwehren weitere 17 Atemschutzgeräte, 20 Atemluftflaschen und 20 Masken zum Einsatz. Der Versorgungs-LKW der FF Amberg rückte zur Einsatzstelle nach um leere Atemluftflaschen und verschmutze Geräte zur Atemschutzwerkstatt zu bringen. Ziemlich zeitnah wurde von der Einsatzleitung die Versorgungseinheit des BRK angefordert. Diese versorgten die Einsatzkräfte mit Getränken und warmen Essen in der benachbarten Schreinerei. Die Führungskräfte aller Organisationen und Abschnitte trafen sich in regelmäßigen Abständen zu gemeinsamen Lagebesprechungen und Ortsbegehungen. Die Pressearbeit erfolgte durch KBI Hans Sperber.

Der Abschnitt „Ost“ bekämpfte zur Spitzenzeit das Feuer mit einem Wenderohr der DLK und 11 Strahlrohren. Versorgt durch zwei Hydranten und 5 B-Leitungen aus dem Etzelbach. Eine der Tragkraftspritzen hielt den Anforderungen nicht stand und musste ersetzt werden. Zur Rettung des Bürogebäudes und besseren Brandbekämpfung, wurden die Seitenwände der Halle teilweise mit einer Rettungssäge unter Atemschutz geöffnet. Problematisch zeigten sich größere Paletten mit Holz und Spanplatten sowie der begrenzte Zugang von der Westseite. Des Weiteren erschwerte der massive abziehende Rauch die Arbeiten im Westen, was einen hohen Bedarf an Atemschutzträgern erforderlich machte. Ein Innenangriff in der Halle schied aufgrund der Einsturzgefahr aus. Daher entschied man sich bei den folgenden Löscharbeiten zum Einsatz zweier Wasserwerfer und der Wenderohre der Drehleitern um mit den größeren Wurfweiten an die Brandherde zu gelangen. Unterdessen wurde ein Bagger eines örtlichen Bauunternehmens zur Unterstützung für den Abschnitt 2 angefordert. Ein Feuerwehrangehöriger wurde während der Löscharbeiten mit einer Rauchgasvergiftung in das Krankenhaus Sulzbach-Rosenberg gebracht.

Nach 2 Stunden war das Feuer unter Kontrolle. Nach weiteren zwei Stunden konnte man sich auf die Nachlöscharbeiten konzentrieren. Die Feuerwehren Pommelsbrunn, Hohenstadt, Eschenbach, Hersbruck und Happurg konnten somit zeitnah aus dem Einsatz herausgelöst werden. Die Abschnittsleitung des Einsatzabschnitt 2 „West“ übernahm der Neukirchner Kommandant Manfred Lösch von KBI Hermann. Gegen 00.30Uhr trafen sich die Führungskräfte zu einer letzten Lagebesprechung am Einsatzleitwagen der UG-ÖEL. Die benötigten Kräfte für die Nachlöscharbeiten und eine Brandwache wurden eingeteilt. Die Einsatzabschnitte konnten aufgelöst werden und KBI Sperber übergab die Einsatzleitung an den Weigendorfer Kommandanten Fabian Pickel.

Am Freitag veranlasste die Einsatzleitung erneut den Einsatz eines Baggers. Mit dessen Hilfe konnten Teile des Daches und der Stahlkonstruktion entfernt und Glutnester freigelegt werden. Eine Teilfläche konnte geräumt somit ein sicherer Angriffsweg in die Hallenmitte geschaffen werden. Die Löscharbeiten dauerten bis in die späten Abendstunden an. Die Feuerwehren Weigendorf, Hartmannshof, Lehendorf und Neukirchen waren in eingeteilten Schichten ununterbrochen im Einsatz. In der zweiten Nacht wurde die Brandstelle noch regelmäßig von der örtlichen Feuerwehr kontrolliert.

Am Sonntagmorgen loderten ein letztes Mal Flammen in den Resten der Halle auf. Um 08.53 Uhr alarmierte die ILS Amberg nochmals die Feuerwehr Weigendorf zu letzten Nachlöscharbeiten. Unter Atemschutz wurden die letzten Glutnester mit Schaum abgedeckt.

 

 

 

 

 

 

Eingesetzte Einheiten:

 

Kreisbrandinspektion Amberg-Sulzbach mit KBI Sperber, KBM Meyer, KBM Schmidt, KBM Iberer

Kreisbrandinspektion Nürnberger Land mit KBI Hermann, KBM Brunner, KBM Weidinger, KBM Marienfeld

FF Weigendorf mit MTW, LF8/6

FF Hartmannshof mit MTW, HLF8/6

FF Haunritz/Högen mit TSF

FF Neukirchen mit MTW, LF8/6, LF20/16

FF Pommelsbrunn mit MZF, HLF10/6

FF Achtel mit TSF

FF Hirschbach mit TSF

FF Eschenfelden mit LF8/6

FF Kirchenreinbach mit LF8/6

FF Guntersrieth mit 2x TSF

FF Holnstein-Mittelreinbach mit TSF

FF Lehendorf mit TSF

FF Etzelwang mit TSF

FF Schmidstadt mit TSF

FF Eschenbach mit TSF

FF Hohenstadt mit MZF, LF10/6

FF Happurg mit HLF10/6

FF Hersbruck mit MZF, LF20/16, HLF16/12, DLK, VLKW, SW2000

FF Rosenberg mit Kdow, MZF, TLF20/40SL, LF16TS, TLF16/25, RW, GW-L2+Lima

FF Sulzbach-Rosenberg mit MZF, VLKW, RW, TLF16/25, DLK

UG-ÖEL Amberg Sulzbach mit ELW, MZF+MZA

FF Amberg mit Kdow, VLKW, WLF+AB-SM, WLF+AB-AS

THW Sulzbach-Rosenberg Fachberater

Rettungsdienst mit ELRD, 7x RTW, UG-SAN EL, SEG, HvO Högen

Energieversorger

 

Bericht und Bilder: FF Hartmannshof