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FEUCHT (DB3) - Am 01.08.2000 kam es auf der A9 unmittelbar am Autobahnkreuz Nürnberg-Ost zu einem folgenschweren Auffahrunfall. Ein LKW-Fahrer übersah das Stauende und fuhr ungebremst auf den vor ihm stehenden LKW. Der Aufprall war so stark, dass dieser zweite LKW auf einen weiteren LKW geschoben wurde, der dadurch wiederum einen vor ihm stehenden Kleintransporter auffuhr. Der Fahrer des auffahrenden LKWs wurde bei dem Unfall eingeklemmt.
Eine starke Rauchentwicklung
deutete auf einen Entstehungsbrand hin, der allerdings schnell gelöscht
werden konnte. Aufgrund der Ersterkundung werden ein Kranwagen der BF
Nürnberg, das LF 16-TS des FF-Löschzuges Laufamholz sowie die Feuerwehren
Moosbach, Schwarzenbruck und Altdorf nachalarmiert. Darüberhinaus
waren sicherheitshalber weitere Einheiten der FF Nürnberg in ihren
Gerätehäusern in Bereitstellung.
Der Fahrer konnte
nur noch tot geborgen werden. Eine weitere Person, die vermutlich in
der Schlafkabine war, konnte schwerstverletzt aus dem Wrack gerettet
werden. Sie verstarb jedoch später im Krankenhaus. Wegen austretenden
Gefahrguts erfolgte die Rettung teilweise mit schwerem Atemschutz. Die
Insassen der anderen beteiligten Fahrzeuge mussten nicht aus ihrem Fahrzeug
befreit werden. Zwei wurden vom Rettungsdienst sicherheitshalber ins
Krankenhaus verbracht, von wo sie einige Stunden später bereits wieder
entlassen werden konnten.
Eine nicht ganz alltägliche Aufgabe wurde dem anwesenden Schwarzenbrucker Notfall-Seelsorger zuteil: Er kümmerte sich, bis zum Eintreffen einer Dolmetscherin, die von der Polizei an die Einsatzstelle gebracht wurde, um einen unverletzt gebliebenen Fahrer eines betroffenen LKWs, der verständlicherweise sehr aufgeregt war und nur italienisch sprach.
Die Bestimmung des auslaufenden Gefahrguts erwies sich als schwierig, die Suche nach den Fahrzeugpapieren dauerte aufgrund des Zustands der Fahrerkabine etwas länger. Die Stoffe wurde als Silikonöl sowie ein Stoff mit dem Handelsnamen "Silres" identifiziert.
Das Silikonöl war relativ harmlos, das von der Ladefläche gelaufene Öl wurde in Fässern aufgefangen und das aus leckgeschlagenen Behältern auf die Fahrbahn gelaufene mit Ölbinder eingedämmt. Problematischer war der andere Stoff: Er bestand aus einer Mischung von alpha-1-Tridecyl-omega-hydroxypolyglykolether. Der erste Bestandteil gilt als krebserregend, der zweite Bestandteil hat einen Flammpunkt von 40°C. Wegen der davon ausgehenden Gefahr - es war an diesem Tag über 28°C warm - wurde die Autobahn komplett in beiden Richtungen gesperrt, Zugang zu Einsatzstelle erfolgte nur noch mit Atemschutz und Schutzkleidung.
Nachdem von der
Autobahnmeisterei ein Hinweis eingegangen war, dass in unmittelbarer
Nähe zum havarierten Fahrzeug mehrere Gullies waren und das Kanalsystem
in nordwestlicher Richtung in den Wald führt, wurden die Gullies mit
Gully-Eiern der FF Altdorf verschlossen. Sicherheitshalber wurde die
Flüssigkeit am Gully verdünnt.
Ex-Messungen der
BF Nürnberg im Fahrzeug und auf der Ladefläche sowie Messungen durch
die FF Schwarzenbruck ergaben keine Anzeige. Somit konnte mit großer
Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden, dass Behälter des explosiven
giftigen Ladeguts beschädigt wurden. Trotzdem wurde weiterhin am Fahrzeug
mit Filtergeräten und Preßluftatmern gearbeitet.
Die BF Nürnberg
untersuchte auch erstmals die Lage der Ladung auf dem zusammengebrochenen
Auflieger. Dabei zeigte sich, dass das Ladegut sehr instabil war und
ständig Teile - unter anderem das gefährliche Silres - auf die Straße
fallen zu drohen. Um weiteres Abstürzen zu verhindern, wurden mit einem
Kranwagen der BF Nürnberg die Reste der Aufbauten gesichert. Damit konnte
die Berufsfeuerwehr - unterstützt von 5 Mann der FF Altdorf - mit dem
Abladen und Sichern der Ladung beginnen. Mehrere Trupps von Feucht und
Schwarzenbruck übernahmen, geschützt mit Filtergerät, das Abbinden des
ausgelaufenen Öls. Parallel zu diesen Arbeiten wurde hinter der Unfallstelle
in sicherer Entfernung die Dekontaminations-Anlage aufgebaut.
Gegen 17:30 Uhr konnte die FF Moosbach die Einsatzstelle verlassen.
Um 18.15 Uhr kam plötzlich eine neue Gefahr auf die Einsatzstelle zu: Auf der A6 - sie kreuzt genau an der Einsatzstelle die A9 - fuhr ein Sattelschlepper mit einem 30000l fassenden Kerosintank. Die Ladung war zwar bereits entleert worden, der Tank galt als gereinigt, doch die Dämpfe hatten den erlaubten Höchstdruck weit überschritten. Es bestand akute Explosionsgefahr, zudem steckte dieses Fahrzeug im Stau fest. Daraufhin wurde ein TLF 16/25 vom Gerätehaus Altdorf, ein TLF 16/25 von Feucht von der Einsatzstelle sowie das TLF 24/50 aus dem Feuchter Gerätehaus auf die A6 beordert. Das Fahrzeug wurde auf der Autobahn gestoppt und von den Fahrzeugen mit Wasser solange gekühlt, bis der Druck im Tank wieder auf ein sicheres Maß gefallen war. Die Feuerwehr Schwarzenbruck verließ die Einsatzstelle gegen 18.30 Uhr. Das mittlerweile eingetroffene Bergungsunternehmen Joachim aus Roth sowie ein Entsorgungsunternehmen begannen mit dem Aufladen der Fahrzeuge bzw. der Ladung. Die unversehrt gebliebene Ladung wurde mit Unterstützung der BF Nürnberg und einem Kranwagen verladen. Der kontaminierte Ölbinder sowie die geplatzten Fässer wurden mit einem kleinen Radlader auf LKWs und Absetzbehälter verladen.
Die Autobahn selber ließ sich trotz der eingetroffenen Spezialfirma nicht reinigen. Selbst Dampfstrahler konnten hier nichts ausrichten. Auch der Einsatz von Chemikalien brachte nichts. Das Silikonöl war bereits zu tief in die Fahrbahn eingedrungen, so dass diese am Folgetag teilweise abgetragen werden musste.
Um 21.00 Uhr verließen alle Einheiten außer dem LF 16 von Feucht und einigen Fahrzeugen der BF Nürnberg und der FF Altdorf die Einsatzstelle. Die verbliebenen Einheiten sicherten die restlichen Aufräumungsarbeiten. Für Altdorf endete der Einsatz um 21.15 Uhr, Feucht blieb noch bis 2.30 Uhr an der Einsatzstelle. Eingesetztes
Personal: Eine Aufzählung aller eingesetzten Geräte, allen Materials und aller Fahrzeuge würde den Rahmen sprengen, alleine die BF Nürnberg war zeitweise mit 23 Fahrzeugen an der Einsatzstelle, darunter der ELW 3 sowie zwei Kranwägen.
Mitautoren: Elmar Wild (FF Feucht), Dr. Ralf Schabik (FF Altdorf) |
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