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2. Altdorfer Infotag mit interessanten Fachvorträgen 22.04.2001

ALTDORF (DB3) - Am 21.04.2001 fand im Gerätehaus Altdorf der 2. Altdorfer Infotag mit überaus interessanten Fachvorträgen statt. Die anwesenden Teilnehmer konnten an diesem Vormittag viel Wissen mit nach Hause nehmen. Angesichts der qualifizierten Referenten hätte der Zulauf allerdings etwas größer sein können.

Organisator Thomas Buchner von der Feuerwehr Altdorf hatte mit Heinz Engels von der BF Düsseldorf und Jan Südmersen von der BF Osnabrück zwei hochkarätige Feuerwehrspezialisten nach Altdorf geholt. Die beiden Herren übermittelten mit ihren Fachvorträgen zum Thema "Schutzkleidung" und "Flashover" viel Wissen an die interessierten Zuhörer und informierten so über moderne Entwicklungen und Erkenntnisse der letzten Jahre auf diesen Gebieten.

Erster Referent an diesem Tag war Heinz Engels von der Berufsfeuerwehr Düsseldorf. Als stellvertretender Sachgebietsleiter der dortigen Feuerwehr- und Rettungsassistentenschule hat er sich in den letzten Jahren intensiv mit der Prüfung der neuen Einsatzkleidung nach HuPF beschäftigt. HuPF bedeutet "Herstellungs- und Prüfungsbeschreibung für eine universelle Feuerwehrschutzkleidung" und beschreibt die Anforderung an die neue Schutzkleidung, also Überjacke, Überhose, dünne Einsatzkleidung sowie Feuerwehrhandschuhe.

Leistungsmerkmale und Schutzziele dieser neuen Einsatzkleidung sollen u.a. ein hoher Tragekomfort, Schutz vor Nässe und Mineralöle und eine gute Warnwirkung sein. Das wichtigste jedoch ist ein guter thermischer Schutz, um den zu erwartenden Gefahren beim Innenangriff wirksam zu begegnen. Dazu muss die Schutzkleidung beim Test einer Beflammung mit 800 °C 8 Sekunden lang standhalten. Um dies alles zu erfüllen, ist sie aus mehreren Schichten (Obermaterial, Membran, Isolierschicht und Innenfutter) aufgebaut.

Engels wichtigstes Anliegen war es, den Teilnehmern zu vermitteln, dass die Handhabung der neuen Schutzkleidung wie bei jedem anderen Ausrüstungsgegenstand auch konsequent ausgebildet werden müsse. Nur wenn sie richtig eingesetzt werde, könne sie optimalen Schutz bieten. Wichtig sei, dass z.B. die Übergänge von einem Kleidungsstück zum anderen (also Ärmel - Handschuhe, Überjacke - Hose, Hose - Stiefel, Kragen - Helm) gut verschlossen und möglichst weit überlappend sind, um einen Flammenunterschlag zu vermeiden.

Wichtiger Augenmerk sei auch auf das "Untendrunter" zu legen. Ein Einsatz ohne Unterwäsche sei äußerst gefährlich, da jede Art von Schweißbildung am Körper im Falle der plötzlichen Hitzeeinwirkung beim Innenangriff zu einer potentiellen Gefahr für Verbrühungen wird. Besonders anfällig hierfür sind der Achsel- und Rückenbereich, wo z.B. die Begurtung des Preßluftatmers aufliegt. Auch zur richtigen Pflege machte Engels einige Anmerkungen, z.B. dass nach jedem 5. Waschen die Schutzkleidung imprägniert werden müsse, um den Schutz vor Nässe zu erhalten. Was auch viele nicht wussten war die Tatsache, dass die Kleidung nach jedem Waschen gebügelt werden müsse, um die Fasern zu glätten, ansonsten laufe man Gefahr, jegliche Schutzwirkung des Materials zu verlieren.

Neben den Vorteilen der neuen Schutzkleidung - also Schutz vor Wärme, Nässe und Stichflammen - stehen sich auch einige Nachteile gegenüber. Hier seien der höhere Flüssigkeitsverlust und die höhere physiologische Belastung des Trägers sowie die späte, schlagartige Wärmeempfindung durch die Vermummung zu nennen. Dadurch ist auch ein Mehrfach-Einsatz eines Trupps kaum möglich. Und - wie bereits erwähnt - ist eine konsequente Ausbildung mit der neuen Schutzkleidung erforderlich.

Zum Schluss seines Vortrags gab Engels noch ein paar Hinweise zu Schutzhandschuhen. Dieser neue Teil 5 der HuPF werde demnächst erwartet. Allgemein gesagt müsse man sich im Handschuh wohlfühlen, ein gutes Griffgefühl haben und die Handinnenfläche soll eine gute Antirutschwirkung aufweisen. Besonderer Augenmerk ist auf den Durchmesser der Stulpe zu legen, um den Handschuh entweder unter die Ärmel der Überjacke oder drüber stülpen zu können. Letztendlich muss auch ein Riemen zum Festzurren vorhanden sein.

Nach einer kurzen Pause begann Jan Südmersen mit seinem Vortrag zum Thema "Flashover". Südmersen ist Sachgebietsleiter "Ausbildung und Rettungsdienst" bei der BF Osnabrück und anerkannter Spezialist auf diesem Gebiet. Im Gegensatz zum Ausland wurde in Deutschland die Erforschung dieses Themas langezeit vernachlässigt und erst jetzt - nachdem einige Feuerwehrleute dadurch verletzt oder gar getötet wurden - bei der Brandbekämpfung mit Innenangriff zunehmend geschult und berücksichtigt.

Generell sei beim Phänomen "Flashover" anzumerken, dass zum einen die Forschung auf diesem Gebiet noch nicht abgeschlossen sei und zum anderen die Anzeichen dafür unsicher und die Übergänge fließend seien. Auswirkungen habe das ganze auf die Verletzungsgefahr besonders für die Trupps im Innenangriff und der Tatsache, dass selbst großer Personal- und Materialeinsatz nicht den gewünschten Löscherfolg nach sich ziehen könnte.

Da viele die Begriffe "Flashover" und "Backdraft" zwar schon gehört haben, aber nur die wenigsten wissen, was sich dahinter verbirgt, ging Südmersen zu Beginn auf die Grundlagen dieser Phänomene ein. Voraussetzung sei ein thermisches Gleichgewicht und die Entstehung von Pyrolysegasen durch das Feuer in einem Raum. In der weiteren Entwicklung eines Brandes entscheide sich dann, ob es zu einer Rauchdurchzündung ohne Druckanstieg (Rollover), einer Rauchdurchzündung mit Druckanstieg (Flashover) oder einer Rauchexplosion (Backdraft) komme. Er gab auch Hinweise, an welchen Anzeichen sich die jeweiligen Formen erkennbar seien.

Die wirksame Gegenmaßnahme lautet, den Aufbau eines Wärmestaus in der Rauchschicht zu verhindern. Dies könne man z.B. durch Taktische Ventilation erreichen, die jedoch so früh wie möglich eingesetzt werden müsse. Auch bei der Brandbekämpfung gäbe es einiges zu beachten, um sich selbst und andere nicht zu gefährden und einen Löscherfolg zu erzielen.

Besonders wichtig sei, dass all das gut ausgebildet werden müsse. Die sogenannte "Heißausbildung" an Flashover-Simulatoren stecke in Deutschland leider noch in den Kinderschuhen. Man habe diesen Mangel jedoch erkannt,und durch vermehrten Aufbau von Flashover-Containern oder Brandübungshäusern (siehe auch Bericht über das Brandübungshaus der SFS Würzburg) bessere sich die Lage zunehmend. Zudem helfen moderne Ausrüstungsgegenstände wie Hohlstrahlrohre bei der Brandbekämpfung in diesen Situationen, aber auch hier muss der richtige Umgang mit diesem Geräten ausgebildet werden.

Zum Schluss bedankten sich Kreisbrandinspektor Pöllot und Organisator Thomas Buchner bei den beiden Referenten. Schade war, dass nur wenige Interessierte der Einladung zum Infotag nach Altdorf gefolgt sind und so viele aus dem Landkreis eine große Chance verpasst haben, sich qualifiziert im Feuerwehrdienst weiterzubilden.

 

Bericht und Fotos: KFV Online

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