Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
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Katastrophenschutzübung der Notfallstation Bayern Nr. 6 29.10.2001

NÜRNBERG - Am Samstag, 27. Oktober 2001 fand von 09:00 Uhr bis 15:00 Uhr in einer Schule in Nürnberg-Neunhof eine Katastrophenschutzübung der Notfallstation Bayern Nr. 6 statt. Die Übung wurde schon seit längerer Zeit geplant und ist keine Reaktion auf die Terroranschläge des 11. September in USA.

In Bayern wurden für die Bewältigung von Katastrophen in Kernkraftwerken insgesamt 12 sogenannte Notfallstationen eingerichtet. Diese sollen nach Kernkraftwerksunfällen die strahlenexponierte Bevölkerung registrieren, auf Kontamination hin überprüfen, ggf. dekontaminieren, falls nötig, medizinisch Erstversorgen und einer weiteren Behandlung zuführen. Die Notfallstation Nr. 6 unter der Führung der BF Nürnberg ist dabei für allgemeine Katastrophenlagen im ABC-Bereich im Großraum Nürnberg zuständig und als zentrale bayernweite Reserve vorgesehen.

Das Übungsobjekt:
Eine Schule in
Nürnberg-Neunhof

In der von der Feuerwehr Nürnberg (Sachgebiet Katastrophenschutz) organisierten Übung wirkten ca. 140 ehrenamtliche Helfer folgender Organisationen mit:

  • Berufsfeuerwehr Nürnberg
  • Sondereinsatzgruppe "Umweltschutz" der Feuerwehr Nürnberg
  • Die ABC-Einheiten der Stadt Fürth und des Landkreises Nürnberger Land.
  • Sanitätseinheit des BRK Nürnberg
  • Diverse Ärzte und Vertreter von Fachbehörden
Aus dem Landkreis Nürnberger Land waren die Katastrophenschutzeinheiten der Feuerwehren aus Altdorf, Hersbruck und Schwarzenbruck dabei.

Als Gäste waren Beobachter der Regierung von Mittelfranken, sowie Fachkräfte anderer Berufsfeuerwehren und Kreisverwaltungsbehörden vor Ort. Als Schadenszenario wurde angenommen, dass es zu einem Störfall in einem Kernkraftwerk kam. Unsere Spezialkräfte sollten Messaufgaben durchführen und kontaminierte Personen sachgerecht versorgen.

Für den Ablauf der Notfallstation (siehe Schema) wurde ein Konzept entwickelt, das mit dieser Übung getestet wurde. Die Notfallstation ist insgesamt in 18 Unterstationen unterteilt.

Vor der Ankunft der ersten "Verletzten" wurde die 18 Unterstationen aufgebaut. Die Ausrüstung ist für jede Unterstation separat in Kisten verpackt.
Links: Das Ablaufschema der Notfallstation. Durch Anclicken lässt sich das Schema vergrößern.

 

Station 1: Verkehrsführung

Ankunft der ersten "Verletzten". Die Einsatzkräfte sind bis zur Feststellung, dass keine Kontamination vorliegt, durch Schutzanzüge und Mundschutz geschützt. Zur Betreuung steht bereits hier ein Notfallseelsorger zur Verfügung.

 

Station 2: Erste-Hilfe-Station

Körperlich Verletzte Personen werden hier ärztlich versorgt. Bei schwerwiegenden Verletzungen erfolgt sofort der Transport ins Krankenhaus.

 

Station 3: Kontaminiationsvorprüfstelle

Hier werden alle Personen in einem Kurztest (ca. 1/2 Minute) auf Kontamination überprüft. Wir eine Kontamination festgestellt, erhält die Person eine rote Umhängemarke und wird zu Station 6 weitergeleitet. Nichtkontaminierte Personen erhalten eine weiße Umhängemarke.

 

Mit dem Kontaminationsnachweisgerät werden Kopf, Hände und Füße überprüft.

 

Station 4: Vorstauraum für Nichtkontaminierte
Station 5: Kontaminations-Nachweisstelle

Hier wird eine intensive (vierminütige) Kontaminationskontrolle durchgeführt. Wird keine Kontamination festgestellt, wird die Person an die Station 14 weitergeleitet.

 

Station 6: Wertmarken

Kontaminierte Personen erhalten hier einen Satz Wertmarken, da sie an den folgenden Stationen ihre Wertsachen und später auch ihre Kleidung abgeben müssen.

 

Station 7: Wertsachenabgabe

Hier erfolgt die Wertsachenabgabe. Die Zuordnung zum Eigentümer ist durch die Wertmarke gesichert.

Station 8: Bekleidungsabgabe
Station 9: Vorstauraum für Kontaminierte
Station 10: Stauraum zur Dusche

Hier erfolgt, nach Geschlechtern getrennt, die Wäscheabgabe. Das Foto entstand vor Eintreffen der ersten Verletzten, so dass die Schutzanzüge noch nicht vollständig angelegt waren.

Station 11: Dusche

Da nur ein Duschraum vorhanden war, duschten Männer und Frauen nacheinander in Gruppen.

Station 12: Nachkontrolle

Nach der Dusche wurde mit dem Kontaminationsnachweisgerät überprüft, ob noch Strahlung vorhanden war. Bei Kontamination ging es zurück in die Dusche.

Station 13: Bekleidungsausgabe und Wertsachenrückgabe

Wurde in Station 12 keine Kontamination festgestellt, bekamen die Personen hier neue Bekleidung und ihre Wertsachen zurück. Die kontaminierte eigene Bekleidung wird im Ernstfall vernichtet. Ein Schwachpunkt ist hier, dass die Wertsachen nicht auf Kontamination hin überprüft werden.

Station 14: Stauraum zur Erfassung
Station 15: Erfassung/Beurteilung


Station 15 hat eine besonders wichtige Funktion. Die Personen werden hier nach ihrem genauen Aufenthaltsraum zum Zeitpunkt des Schadensereignisses befragt. Aus diesen Angaben wird unter Zuhilfenahme einer Landkarte und Rechenformeln die aufgenommen Dosis ermittelt.


Station 16: Strahlenschutzärztliche Beurteilung

Die Personen werden hier von Ärzten mit Strahlenschutzkenntnissen im Hinblick der in Station 15 ermittelten Dosis untersucht.

Station 17: Verteilung

Diese Station koordiniert die Verteilung aller aus Station 16 kommender Personen. Insbesondere organisiert sie den Transport ins Krankenhaus bei entsprechend beurteilten Personen.

Station 18: Information/Aufenthaltsregelung

Die Aufgabe dieser Station liegt in der Beratung der die Notfallstation verlassenden Personen und die Zuweisung etwaiger Evakuierungsplätze.

 

Leitung der Notfallstation

Die Kommunikation der Notfallstation wurde durch den ELW 3 der BF Nürnberg abgewickelt.

 

Seelsorgerische Betreuung

Wichtiger Punkt bei einem derartigen Schadenssereignis ist die seelsorgerische Betreuung der Einsatzkräfte und Betroffenen. Hier im Bild Feuerwehrseelsorger Herbert Dachs von der FF Schwarzenbruck mit Kollegin.

 

Verpflegung

Für die Verpflegung der Betroffenen und der Einsatzkräfte sorgte der Verpflegungstrupp der Feuerwehr Werderau.

Die Einsatzkräfte der FF Schwarzenbruck lassen sich das Essen schmecken.

 

Abschlussbesprechung der Übung

Hans-Peter Reißmann von der BF Nürnberg bewertete den Ablauf der Übung insgesamt als gut und bedankte sich bei allen Teilnehmern. Die Beobachter der Übung, so Reißmann, erkannten allerdings auch einige konzeptionelle Punkte, die verbessert werden müssen.

Bericht und Fotos: Ulli Timm (FF Schwarzenbruck, Homepage: www.ff-schwarzenbruck.de)

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