 |
Abschlussbericht
der FF Burgthann vom Hochwassereinsatz |
14.09.2002 |
 |

BURGTHANN (DB3)
- Nach einer telefonischen Anfrage des zuständigen Kreisbrandinspektor
Friedrich Pöllot, am Donnerstag den 15. August 2002, beim federführenden
Kommandanten der Großgemeinde Burgthann Michael Lorenz, ob sich die
Freiwillige Feuerwehr Burgthann mit ihrem Löschfahrzeug LF16 an einem
Hilfseinsatz des Landkreises Nürnberger Land bei der Hochwasserkatastrophe
in Sachsen beteiligen könnte, nahm der Burgthanner Kommandant sofort
Kontakt mit den Großgemeindewehren, Bürgermeister und der Gemeindeverwaltung
auf.
Nachdem sich aus
den Wehren Burgthann, Ezelsdorf und Mimberg mehrere Freiwillige zur
Verfügung meldeten und Oberferrieden sein Mehrzweckfahrzeug zur Verfügung
stellte, sagte Kommandant Lorenz die Mitwirkung der Großgemeindefeuerwehren
am Hilfseinsatz zu. Gesamteinsatzleiter der Landkreiswehren sollte Kreisbrandinspektor
Norbert Thiel aus Hersbruck sein, aus dem Dienstbezirk 3 hatte Kreisbrandmeister
Thomas Pöllot aus Oberferrieden seine Teilnahme zugesagt.
 |
Die Verabschiedung
der Einheiten des Landkreises am Gerätehaus Lauf |
Durch die mehrmalige
Verschiebung des entgültigen Verlegungstermins ins Hochwassergebiet
und die in der Folge zum Teil wechselnden Teilnahmebereiten, kam nach
mehreren Tagen Sitzbereitschaft im Burgthanner Gerätehaus, am Sonntag
Vormittag der definitive Marschbefehl für Mittags 12 Uhr ab Gerätehaus
Lauf. Teilnehmer der beiden Gruppen aus dem Dienstbezirk 3 (südlicher
Landkreis) waren Kreisbrandmeister Thomas Pöllot mit dem Oberferriedener
Mehrzweckfahrzeug, das Burgthanner Löschfahrzeug LF16 mit den Kameraden
Michael Lorenz, Andreas Hübner, Matthias Kuhn, Christian Seuboth, Matthias
Niemeyer, Dominik Springer (alle Burgthann), Erwin Dewers (FF Mimberg)
und Jochen Rupprecht (FF Ezelsdorf) sowie das Moosbacher Löschgruppenfahrzeug
LF16 mit Norbert Nähr, Frank Kotzur, Werner Wolf und Gerhard Kunert.
 |
 |
|
Der
Anmarsch über die Autobahn
|
Kurze
Rast an der Raststätte Vogtland
|
Es wären auch weitere
Kameraden bereit gewesen, mitzufahren, jedoch ließ sich dieses aus organisatorischen
Gründen nicht bewerkstelligen. Nach der Vereinigung der beiden Gruppen
aus dem Süden des Landkreises mit den weiteren Wehren Lauf, Hersbruck,
Röthenbach/Pegn. und Velden unter der Führung von Kreisbrandinspektor
Norbert Thiel sowie der offiziellen Verabschiedung durch politische
und Feuerwehrführung in Lauf, wurde der Marsch im Verband über die Autobahnen
A9, A72 und A4 ins Hochwassergebiet und vom Flughafen Dresden aus mit
Polizeibegleitung zum Bereitstellungsraum durchgeführt. Hier empfing
KBI Thiel vom für die Mittelfränkischen Hilfskräfte zuständigen Gesamteinsatzleiter
der Berufsfeuerwehr Nürnberg weitere Einsatzbefehle.
 |
 |
|
Der
Blick von einer Brücke auf überschwemmtes Gebiet
|
Ein
zerstörtes Einfamilienhaus
|
Die Helfer aus dem
Nürnberger Land verlegten mit Polizeimotorrad-Eskorte unter Sonderrechten
nach Pirna und bezogen hiernach Feldbett-Quartier im Untergeschoß eines
Ärztehauses. Verpflegt wurden die Einsatzkräfte zum Teil in der Hauptfeuerwache
Pirna und zum Teil im Gerätehaus des entgültigen Einsatzortes Heidenau.
Nach dem Wecken Montag um 6.30 Uhr und dem Frühstück um 7 Uhr war um
8 Uhr Abfahrt des neugebildeten "Löschzuges" Burgthann/Moosbach" unter
Führung von KBM Thomas Pöllot zur Feuerwache der Pirnaer Nachbarstadt
Heidenau, wo man in die genauen Einsatzstellen eingewiesen wurde.
 |
 |
|
Vom
Hochwasser zerstörte Kleingartenanlagen
|
Verstärkt wurde
der Zug noch durch eine Gruppe der ortskundigen FF Bortha mit Löschgruppenfahrzeug
LF8, mit welcher sich in der Folgezeit ein sehr herzliches Kameradschaftsverhältnis
entwickelt. Auch eine bei der Schutträumung eifrig unterstützende Einheit
der Bundeswehr war zeitweise beigeordnet und arbeitete sehr konstruktiv
und effektiv mit. Die verheerend zerstörten Einsatzstellen lagen alle
im Bereich der Elbstraße, von welcher zuerst das zum Teil brusthohe
Oberflächenwasser entfernt werden mußte, bevor an das nachfolgende Auspumpen
der überfluteten Keller und Tiefgaragen überhaupt gedacht werden konnte.
Diese Tätigkeit konnte durch Freimachen der verstopften Straßengullis
allerdings wesentlich beschleunigt werden.
 |
 |
|
Leerpumpen
von vollgelaufenen Tiefgaragen
|
 |
 |
|
Tiefgarage
von innen
|
Kurze
Verschnaufpause der Einsatzkräfte
|
Nachdem auf diese
Weise nach und nach das Oberflächenwasser entfernt wurde, mussten Tiefgarage
und Keller einer Betreuten Altenwohnanlage leergepumpt werden, da hier
laut Meldungen 4 bis 6 Personen vermißt und sie dort vermutet wurden,
was sich in der Folge allerdings nicht bewahrheitete - zumindest konnten
keine Opfer gefunden werden. Was sich eventuell während der weiteren
Aufräumungsarbeiten im Schutt ergeben hat, entzieht sich der Kenntnis.
Desweiteren pumpte die Feuerwehr Moosbach mit den Heidenheimer Kameraden
im Keller eines Wohn- und Geschäftshauses, bis der Besitzer wegen statischer
Bedenken den Einsatz abbrach, was sich im nachhinein jedoch als wie
erwartet unnötig herausstellte. Gegen 19.30 rückte der Löschzug in die
Feuerwache Heidenau ein und säuberte bis 21.30 Uhr Schläuche und Gerät.
Nach einer anschließenden Brotzeit ging die Fahrt um 22.30 Uhr zur Unterkunft
nach Pirna.
 |
 |
|
Abpumpen
des Wassers von der Elbstraße
|
Am Dienstag Vormittag
wurde weiter gemeinsam am Altenwohnheim gearbeitet. Da gegen 10.30 der
Wasserstand für die Heckpumpen der Löschgruppenfahrzeuge LF16 und für
die Tragkraftspritzen zu niedrig war, wurde mittels elektrischer Tauch-
und wasserbetriebener Turbotauchpumpen und Verbrennungsmotorbetriebenen
Strom-Aggregaten zur Stromversorgung weitergearbeitet. Zu diesem Zeitpunkt
wurde das Moosbacher LF16 am Altenheim nicht mehr benötigt und konnte
sich zu einer 50 Meter entfernten Wohnanlage mit 2.000 qm ebenfalls
überflutetem Keller und Tiefgarage zum Abpumpen begeben. Nachdem auch
hier durch einen Architekten nachmittags der Pumpenbetrieb wegen statischer
Bedenken zeitweise gestoppt wurde, konnte diese Arbeit nach einer klärenden
Begehung wieder aufgenommen und bis 19 Uhr fortgesetzt werden. Der Wasserspiegel
konnte bisher um circa 65 cm gesenkt werden. Beim anschließenden Abendessen
teilte Kreisbrandinspektor Thiel mit, das der Einsatz eventuell bis
Sonntag fortgesetzt werden solle.
 |
 |
|
Zerstörte
Wohnungseinrichtungen und Gegenstände türmten sich an
den Straßen und mussten weggeräumt werden.
|
Mittwochs nach dem
Frühstück um 7 Uhr ging die gemeinsame Fahrt wieder zu der Tiefgarage
vom Vortag, in welcher der Wasserspiegel über Nacht bereits etwas gesunken
war, welche die Einsatzkräfte wiederum bis abends 17 Uhr beschäftigte.
Unterstützt wurde man hier durch starke Pumpen des Technischen Hilfswerkes,
welche mit am Erfolg dieses Einsatzes beteiligt waren. Am Mittwoch Abend
verabschiedeten sich Kameraden aus Röthenbach/Pegn., welche abreisten,
sowie Einsatzkräfte aus Lauf, Hersbruck und Velden, welche durch neuangereiste
Kameraden abgelöst wurden - auch der bisherige Einsatzleiter Kreisbrandinspektor
Norbert Thiel wurde durch den Laufer Kreisbrandinspektor Rainer Fuchs
abgelöst. Die Feuerwehren Burgthann und Moosbach sollten weiterhin vor
Ort bleiben. Allerdings stellte sich am Donnerstag nach dem Frühstück
heraus, daß keine weiteren Einsatzstellen mehr zugeteilt wurden, so
daß das Quartier geräumt und gegen 9 Uhr nach herzlicher Verabschiedung
von den Heidenauer und Pirnaer Kameraden den Rückmarsch in die Heimat
angetreten werden konnte.
 |
 |
|
Das
Hochwasser hinterließ außerdem jede Menge Schlamm.
|
Nachdem die beiden
Feuerwehren Burgthann und Moosbach jeweils gegen 15 Uhr ihre Standorte
erreicht hatten, zog sich die Wiederherstellung der Einsatzbereitschaft,
mit tatkräftiger Unterstützung auch daheimgebliebener Kameraden, in
Burgthann auch aus den Ortsteilen und besonders durch die Jugendgruppe
der FF Ezelsdorf, zum Teil bis Samstag hin. Unter anderem mußten die
Löschfahrzeuge komplett ausgeräumt sowie Fahrzeuge und alle verlasteten
Geräte vom feinen roten Elbestaub gereinigt werden. Auch die Fahrzeugtechnik
benötigte eine ausführliche Grundreinigung mit Ergänzung aller Schmier-
und Betriebsstoffe, da sich der feine Staub in jeder Ritze niedergeschlagen
und verkrustet hatte!
 |
 |
|
Kräfte
der FF Moosbach mit ihren LF 16 beim Abpumpen.
|
Der
Oldtimer der Feuerwehr Prina
|
Der zum Zeitpunkt
der Rückkehr amtierende Burgthanner 2. Bürgermeister Heinz Meyer ließ
es sich natürlich nicht nehmen, die Burgthanner Hilfskräfte am Standort
ganz herzlich persönlich zu begrüßen. Auch Feuchts Bürgermeister Konrad
Rupprecht dankte den Moosbacher Kameraden für ihr großes und ganz und
gar nicht selbstverständliches ehrenamtliches Engagement.
 |
Reinigen
der Fahrzeuge nach der Rückkehr in die Heimat.
|
Bereits eine Woche
nach Einsatzende wurden die neuen und sehr freundschaftlichen Kontakte
zwischen den Burgthanner und Moosbacher Kameraden bei einem Spanferkelessen
im Gerätehaus Moosbach intensiv vertieft. Auch hier ging der Einsatz
bis tief in die Nacht. Für einen Teil der Burgthanner Kameraden war
dieser Einsatz - nach dem Sturmhilfeeinsatz der Mittelfränkischen Feuerwehren
im französischen Limousin - übrigens bereits der zweite Einsatz außerhalb
der Landkreisgrenzen innerhalb weniger Jahre.
Bericht: Karl-Heinz
Brunner, Feuerwehr Burgthann |