Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
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Massenanfall von Verletzten bei Flugunfall in Lillinghof

08.09.2010


LILLINGHOF (DB2) - Am Sonntag den 05.09.2010 um 15:00 Uhr wurde ein Großaufgebot an Rettungskräften mit den Stichwort "Flugzeugabsturz Massenanfall von Verletzten" zur Flugschau am Segelflugplatz Lillinghof alarmiert.

Die Erstmeldung erfolgte durch ein Rettungsdienstfahrzeug, welches vor Ort zur Sanitätsabstellung war: "Flugzeug in Menschenmenge gerast, etliche Verletzte." Daraufhin wurde ein Großaufgebot an Rettungskräften, Feuerwehr und Polizei zur Einsatzstelle entsendet.

Bereits auf der Anfahrt der Einsatzkräfte wurde durch die FF Lauf, welche die Sicherheitswache an der Veranstaltung durchführte, über Funk eine erste Rückmeldung gegeben und die nachrückendene Kräfte eingewiesen.

Es stellte sich folgende Lage dar:
Aus unbekannten Gründen kam ein Doppeldecker beim Startversuch von der Landebahn ab und raste in die Zuschauer, welche am Rande der Landebahn die Vorführung verfolgten. Mehrere verletzte Personen wurden bereits durch die FF Lauf und den anwesenden Kräften der BRK Bereitschaft Schnaittach, welche mit zwei Fahrzeugen vor Ort war und durch als Gäste anwesende Notärzte und Rettungsdienstmitarbeiter erstversorgt.

Die FF Freiröttenbach sperrte sofort die Zufahrt von Freiröttenbach nach Lillinghof für alle Fahrzeuge und leitete die abfahrenden Besucher über Oberwindsberg um, damit alle Rettungskräfte ungehindert zur Einsatzstelle vorrücken konnten. Diese Arbeiten wurden später durch die mitalarmierten Kräfte aus den Kreis Forchheim, der FF Rüsselbach und Igensdorf unterstützt.

Durch den Organisatorischen Leiter des Rettungsdienstes wurden verschiedene Einsatzabschnitte gebildet: Verletztenablage, Registrierung und Sichtung, Notfallseelsorge, Hubschrauberlandeplatz und Krankenwagenhalteplatz. Hierbei unterstützten die Feuerwehren den Rettungsdienst vorbildlich.

Nach dem Eintreffen der Feuerwehr Schnaittach wurde die Einsatzstelle in zwei Abschnitte unterteilt:
Die FF Lauf stellte an der Unfallstelle den dreifachen Brandschutz mittels Schnellangriff, Pulver- und CO 2 Löscher vom TLF 24/50 bzw. Kombilöschanhänger sicher. Desweiteren stellten sie die Benzinzufuhr am Flugzeug ab und unterstützen die Rettungskräfte vor Ort.

Die Kameraden der FF Schnaittach, unterstützt durch Kräfte der FF Freiröttenbach, bauten eine Verletztensammelstelle auf, sichteten die Zuschauer auf weitere verletzte Personen und sorgten für eine geordnetes Verlassen der ca. 3000 - 3500 Festbesuchern. Desweiteren wurde die Unfallstelle großräumig abgesperrt und ein Sichtschutz durch Feuerwehrfahrzeugen und Planen zur Unfallstelle erstellt. Ebenso wurde durch die Einsatzkräfte ein Hubschrauberlandeplatz eingerichtet. Sämtliche freie Einsatzkräfte unterstützen die Kameraden vom Rettungsdienst bei der Versorgung und Betreung der verletzten Personen.

 
     
 
     
 

Seitens des Rettungsdienstes wurde eine Sanitätseinsatzleitung eingerichtet, über 75 Fahrzeuge des Rettungsdienstes und 5 Hubschrauber aus Nürnberg, Bayreuth, Ingolstadt und Landsberg am Lech wurden zu dem Großschadensereignis alarmiert.

Nachdem das Fahrzeug der UG-ÖEL, ergänzt durch das Versorgungsfahrzeug der FF Hersbruck an der Einsatzstelle eintraff, wurde der Platz der Einsatzleitung zusätzlich mittels Schnelleinsatzzelt aufgebaut. Ergänzt durch die UG-SanEL und später auch durch das THW, wurden hier von den Feuerwehrkräften die Lagekarte und das Einsatztagebuch geführt. Durch die UG-SanEL wurden die Verletzten erfasst, Krankenhausbetten abgeklärt, nachrückende Kräfte eingewiesen und in enger Zusammenarbeit mit den Notärzten und der SanEL die Verletzten triagiert und dann Fahrzeugen und Zielkliniken zugeordnet.

 
     
 

Vom Platz der Einsatzleitung wurde der weitere Einsatzablauf koordiniert. So wurden der Landrat Kroder, Sachgebietsleiter Hertlein vom Landratsamt und Bürgermeister Brandmüller über den Unglücksfall unterrichtet. Alle drei Personen trafen wenig später an der Einsatzstelle ein um sich vor Ort ein Bild von der Lage machen zu können. Ebenso wurden im Zelt der UG-ÖEL mehrere Lagebesprechungen der Abschnittsleiter und Einsatzleiter der verschiedenen Hilfsorganisationen abgehalten.

Nachdem alle verletzten Personen von einen Großaufgebot von Rettungskräften mittels RTW und RTH in die Kliniken verbracht wurden, konnte gegen 17:00 Uhr die Kräfte der FF Lauf, welche das Unglück live miterleben mußten, aus den Einsatz herausgelöst werden.
Im weiteren Einsatzverlauf wurde durch die Feuerwehrkräfte eine Halle für Gespräche der mitalarmierten Notfallseelsorger eingerichtet, um vor Ort noch in geschützter Lage das Geschehen bei den geschockten Besuchern zu behandeln.
Das THW richtete in Ihren Führungs- und Kommunikationskraftwagen eine Notfallrufnummer für die Telefonseelsorge ein. Dadurch konnten Anrufe von Angehörigen vor Ort entgegengenommen werden.

 
     
 

Eine erste Pressekonferenz für die Vielzahl der eintreffenden Medien konnte um 17:30 Uhr im Zelt der UG-ÖEL abgehalten werden.
Gegen 19:00 Uhr trafen der Polizeipräsident Hauptmannl und der Inneminister von Bayern Joachim Herrmann am Flughafen ein um sich selbst ein Bild von der Tragödie zu machen.

Um 19:30 Uhr wurde eine erneute Pressekonferenz für Funk und Fernsehen im Hangar des Segelflugvereins abgehalten.

Gegen 20:00 Uhr wurde das von der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen (BFU) und der Polizei sichergestellte Flugzeug noch durch Feuerwehrkräfte mittels Planen abgedeckt und die letzten Feuerwehrkräfte konnten gegen 20:30 Uhr in Ihre Standorte einrücken, wo überall noch am selben Abend eine Gesprächsrunde für die Einsatzkräfte stattfand.

 

Fazit des Unklücks: Eine Person wurde leider getötet, insgesamt wurden 39 Patienten gesichtet, registriert und soweit erforderlich behandelt. Um 17.20 Uhr waren alle 22 Patienten, davon fünf schwer Verletzte, die einer weiterführenden Behandlung im Krankenhaus bedurften, abtransportiert. Alle schwer Verletzten wurden mit RTH und ITH in Kliniken verbracht.

Eingesetzte Kräfte:
KBI Geißler, KBI Herrmann, KBM Holfelder, KBM Schlicht
FF Freiröttenbach mit TSF
FF Schnaittach mit KdoW, HLF 20/16, LF 16/12 und MZF
FF Lauf mit VRW, TLF 24/50, V-LKW
UG-ÖEL mit ELW und V-LKW (FF Hersbruck)
FF Igensdorf
FF Rüsselbach

Rettungsdienst
OrgL, LNA, UG-SanEL mit ELW2, mehrere ELRD als Abschnittsleiter, 24 RTW, 12 KTW, 23 MTW, 3 NEF, 7 zusätzliche NA, 5 Hubschrauber

Notfallseelsorge
Krisendienst Mittelfranken
THW
BFU
Polizei, Kriminaldauerdienst, Pressesprecher Polizei, Polizeipräsident
Innenminister
Landrat und Sachgebietsleiter
Bürgermeister

Bericht: FF Schnaittach, ASB Lauf
Fotos:
FF Schnaittach, ASB Lauf, JUH

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