Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
Funk und Alarmierung

Zurück | Themen | Funk und Alarmierung

 

Alarmierung über Sirene

Auch im Zeitalter moderner Alarmierungstechnik mit immer kleiner werdenden und individuell programmierbaren Funkmeldeempfängern hat die Alarmierung der Freiwilligen Feuerwehren über Sirene immer noch einen hohen Stellenwert.

Während es in größeren Städten undenkbar wäre, die Feuerwehr bei oft mehreren Einsätzen pro Woche über Sirene zu alarmieren, ist dies besonders für kleinere Feuerwehren auf dem Land mit oft wenigen Einsätzen im Jahr meist die einzige Möglichkeit, überhaupt alarmiert werden zu können. Sie verfügen in der Regel über über keine oder nur wenige Meldeempfänger. So werden im Landkreis Nürnberger Land rund 85% der 128 Freiwilligen Feuerwehren ausschließlich über Sirene zum Einsatz alarmiert.

Aber auch größere Wehren, die aufgrund der Einsatzhäufigkeit im Normalfall nur "still" über Meldeempfänger alarmiert werden, halten zusätzlich an der Möglichkeit der Sirenenalarmierung fest, um im Bedarfsfall bei größeren Schadenslagen möglichst viele Einsatzkräfte erreichen zu können.

Ein bischen Geschichte

Zum überwiegenden Teil handelt es sich bei den Sirenen um ehemalige Zivilschutzsirenen des Bundes. Sie wurden in den 50er Jahren aufgebaut, um die Bevölkerung in Katastrophen- und Krisensituationen bzw. im Verteidigungsfall zu warnen. Die Ansteuerung hierzu erfolgte drahtgebunden über Postleitungen durch das "Warnamt", das den Regierungen unterstellt war.

Zwar ein Relikt aus vergangenen Zeiten, aber vielerorts nicht abgebaut und daher noch in Verwendung: Das Steuergerät für die Zivilschutz-Sirenensignale.

Darüber hinaus dienten die Sirenen aber auch zur Alarmierung der freiwilligen Feuerwehren. In der Anfangszeit war dies nur über die angeschlossenen Handdruckmelder ("Feuermelder") möglich, bis 1974/75 im Landkreis Nürnberger Land die Funkalarmierung eingeführt wurde und die Sirenensteuerungen so umgerüstet wurden, dass sie von einem Funkempfänger mit Relaiskontakt ausgelöst werden konnten.

Aufgrund zunehmender politischer Entspannung in den 80er Jahren sah der Bund als Eigentümer der Zivilschutzsirenen keine Notwendigkeit mehr, diese weiter zu betreiben und plante 1989 einen Abbau der Sirenen. Da jedoch vielerorts die Feuerwehr-Alarmierung darüber sichergestellt ist, wurden den Gemeinden die Sirenen unentgeltlich zur Übernahme angeboten. Auf diese Weise wurden notwendige Sirenen erhalten, nicht notwendige (z.B. in Orten ohne eigene Feuerwehr) wurden abgebaut.

Bei den sich heute in Betrieb befindlichen Sirenen handelt sich aber keineswegs nur um Zivilschutzsirenen des Bundes. Mancherorts wurden sogar neue Sirenen aufgebaut, um die Alarmierungssicherheit der Feuerwehr z.B. in stark angewachsenen Ortsteilen sicherzustellen. Auch beim Umsetzen von Sirenenstandorten (z.B. wegen Hausabriss) werden oft komplett neue Sirenenanlagen installiert.

Sirenensignal

In der "Verordnung über öffentliche Schallzeichen" ist festgelegt, welche Schallzeichen für bestimmte Situationen zu benutzen sind. Das Schallzeichen für Feueralarm ist in § 1 geregelt:

§ 1 Alarm bei Feuer oder anderen Notständen

Den Gemeinden, den von ihnen beauftragten Stellen und den Feuerwehren ist es vorbehalten, mit Sirenen folgendes öffentliches Schallzeichen zu geben, um den Alarm bei Feuer und anderen Notständen als Katastrophen auszulösen:

dreimal einen in der Höhe gleichbleibendne Ton (Dauerton) von je zwölf Sekunden, mit je zwölf Sekunden Pause zwischen den Tönen.

  Sirenensignal anhören
sirene.wav (411kB)

 

Aufbau von Sirenen

Die am weitest verbreitete Sirene ist der Typ E57 nach DIN 41 096. Unter dem pilzförmigen Sirenen-Schutzdach befindet sich ein 5kW-Drehstrommotor 220/380 (230/400) Volt, der ein mit Polyamid beschichtetes Laufrad antreibt. Der im Innern der Sirene entstehende Luftstrom erzeugt so einen lautstarken Ton der Frequenz 420 Hz. Durch den Schalldruck von 129 dB beträgt die Hörweite im Freien ca. 6 km, gegen den Wind ca. 3 km.

Montiert sind die Sirenen überwiegend auf Hausdächern. Da es besonders bei Sirenenumbauten bzw. Neuerrichtungen schwierig ist, geeignete Objekte zu finden, werden die Sirenen auch auf Masten montiert. Die Sirenensteuerung hierzu ist in einem Schaltkasten neben dem Mast untergebracht.

Bei diesem Sirenentyp wird das Sirenensignal nicht durch "Luft", sondern elektronisch erzeugt. Auch wenn diese Sirenenart in unserem Landkreis nicht verwendet wird, sei sie doch der Vollständigkeit halber erwähnt.

Diese Anlage bietet den gleichen Schalldruck wie die Motorsirene E57. Je nach Anordnung der Hörner kann die Schallausbreitung rundum oder gerichtet sein.

Die Versorgungsspannung von 24 Volt kann einem Netzteil oder einem
24-V-Akkumulator entnommen werden. Somit kann diese Anlage auch dort eingesetzt werden, wo kein öffentlicher Stromanschluss vorhanden ist und der Akku z.B. über Solarenergie geladen werden kann. Im Gegensatz zur Motorsirene ist so auch eine Netz-Ausfallsicherheit gegeben. Weiterer Vorteil ist das geringere Gewicht und die Möglichkeit, Sprachdurchsagen zu machen.


Auslösung der Sirenen

Zur Auslösung der Sirenen für Feueralarm gibt es im allgemeinen folgende Möglichkeiten.

1. Feuermelder

Die erste Möglichkeit ist die Auslösung der Sirenensteuerung über den Handdruckmelder, besser bekannt als "Feuermelder". Er ist nach DIN 14 654 in einem roten, voll schutzisolierten Kunststoffgehäuse eingebaut. Der Druckknopf ist beleuchtet und mit einer dünnwandigen einschlagbaren Glasscheibe vor versehentliches Betätigen geschützt.

Bei Sirenen-Einzelanlagen ist er direkt mit der Sirenensteuerung verbunden. Bei einem Verbund aus mehreren Sirenen ist er über eine Standleitung mit einem zentralen Steuergerät verbunden.

In größeren Firmen oder Gebäuden ist der Feuermelder nicht direkt an eine Sirene, sondern meist an eine Brandmeldeanlage angeschlossen. Der Alarm läuft dann an der Brandmeldezentrale auf, von dort entweder telefonisch oder über Standleitung die alarmauslösende Stelle der Feuerwehr verständigt wird.

Zur Bedienung des Feuermelders ist im Prinzip nicht viel zu sagen: Zum Auslösen des Feueralarm ist die Scheibe einzuschlagen und der Knopf mehrere Sekunden lang zu drücken. Danach ist unbedingt das Eintreffen der Feuerwehr abzuwarten, um ihr den Schadensort und die Schadenslage bekannt zu geben.

2. Funkalarmierung

Üblicherweise wird die Sirenensteuerung heutzutage jedoch über Funk ausgelöst. Die alarmierten Einheiten melden sich dann über Funk oder telefonisch bei der alarmauslösenden Stelle (im Lkr. Nürnberger Land: PI Lauf) und erfahren dort den Alarmierungsgrund.

Technisch gesehen läuft die Funkalarmierung über Sirenen genauso wie die Funkalarmierung eines Meldeempfänges ab. Bei der analogen 5-Ton-Alarmierung wird vom Alarmgeber in der alarmauslösenden Stelle ein 5-Ton-Selektivruf generiert, der jede Sirene (oder Sirenengruppe) eindeutig adressiert. Zur Vermeidung von Fehlauslösungen wird zusätzlich ein Doppelton ausgesendet.

Die am Sirenenstandort installierten Fernwirkempfänger (auch Funksteuerempfänger genannt) werten - ähnlich eines Meldeempfängers - den ausgesendeten 5-Ton-Selektivruf sowie den Doppelton aus. Stimmt die 5-Ton-Kombination mit der des Funksteuerempfängers überein, wird über einen Taktgenerator der Strom des Sirenenmotors entsprechend der Sirenensignale ein- und ausgeschaltet.

Funksteuerempfänger

Analoger 5-Ton-Funksteuerempfänger MS200 von Sonnenburg. Diese Geräteserie stammt aus den Anfängen der Funkalarmierung von vor 20 Jahren, ist aber aufgrund der hohen Zuverlässigkeit noch immer in Betrieb.

Eingebaut sind ein Netzteil, der 4m-Funkempfänger, NF-Aufbereitung, 5-Ton- und Doppeltonauswerter.

Bei korrekt erkannter 5-Tonfolge und Doppelton zieht für ca. 5 Sekunden ein Relais an. Dieses Steuersignal wird auf das Taktsteuergerät gegeben.

Taktsteuergerät (Sirenensteuergerät IV)

Das Taktsteuergerät hat die Aufgabe, das Sirenensignal für Feueralarm (1 Minute Dauerton 2mal unterbrochen) zu erzeugen.

Über einen Relaiskontakt im Funksteuerempfänger oder dem Drucktaster eines angeschlossenen Feuermelders beginnt ein Getriebemotor zu laufen. Eine sich drehende Nockenscheibe bildet die Taktfolge und betätigt zwei Mikroschalter. Der Stromkreis wird entsprechend des Taktes geöffnet und geschlossen und steuert damit widerum das Sirenenschütz im Sirenenschaltkasten an.

Sirenen-Schaltkasten

Im Sirenenschaltkasten befindet sich die 230/400 Volt Stromeinspeisung für die Sirene, die Sicherungen für Steuerung und Hauptstromkreis und das Sirenenschütz. Das Schütz wird durch das Taktsteuergerät angesteuert und schaltet entsprechend den erzeugten Takt den Hauptstromkreis der Sirene ein und aus.

Funksteuerempfänger MS200-MPS4

Dieser Funksteuerempfänger MS200-MPS4 der Firma Sonnenburg ist mit moderner Prozessortechnik aufgebaut.

Neben dem Netzteil und dem 4m-Empfänger verfügt er über einen Mikroprozessor, der die Aufgaben der 5-Ton- und Doppelton-Auswertung sowie der Taktsteuerung übernimmt. Ein externes Taktsteuergerät ist somit nicht mehr notwendig, der im Funksteuerempfänger erzeugte Takt kann direkt auf das Sirenenschütz gegeben werden.

 

Die hier abgebildeten Komponenten stellen nur eine Auswahl der sich am Markt befindlichen Geräte dar, um das Prinzip der Sirenenalarmierung an einer Sirenen-Einzelanlage zu verdeutlichen. Sind mehrere Sirenen als Verbund zusammengeschaltet, sind zum Teil andere Komponenten (zentrales Steuergerät, Anschalteeinrichtungen für Standleitungen etc.) erforderlich.

Auch die Ausführung der Funksteuerempfänger, Taktsteuergeräte und Sirenen-Schaltkästen sind nicht als "Standard" anzusehen, sondern als eine von vielen Ausführungsmöglichkeiten.




Zurück | Themen | Funk und Alarmierung


Copyright © 1999 by Kreisfeuerwehrverband Nürnberger Land
Created by Michael Brunner, Bernd Haslinger, Florian Krüger